Vorgeschichte zum 190er

Diskutiere Vorgeschichte zum 190er im 190er Klasse Forum im Bereich Mercedes-Fahrzeuge; Mit der Einführung der Modellreihe 190 gegen Ende des Jahres 1982 begann für Mercedes-Benz eine neue Ära. Denn diese neue Fahrzeugklasse trug dazu...

  1. #1 Andreas Terner, 15.07.2002
    Andreas Terner

    Andreas Terner Guest

    Mit der Einführung der Modellreihe 190 gegen Ende des Jahres 1982 begann für Mercedes-Benz eine neue Ära. Denn diese neue Fahrzeugklasse trug dazu bei, dass sich viele Kunden ihren ersten Mercedes-Benz leisten konnten. Der formale Ausdruck eines solchen Automobils ließ sich deshalb nicht durch stilistische Elemente des Luxus-Segments erreichen. Statt dessen musste das Design des Typs 190 provozieren: Der "kleine" Mercedes-Benz sollte zum Mittelpunkt der öffentlichen Auto-Diskussion werden - zum Tagesgespräch.

    Die Entwicklung
    Im Herbst 1976 startete mit der Erstellung des Lastenheftes die Vorentwicklung einer neuen, kompakten Mercedes-Baureihe. Sie sollte unter Beibehaltung der typischen Mercedes-Charakteristika wie Verarbeitungsqualität, höchstmögliche Sicherheit und ausgereifte Technik zudem deutlich verringerten Kraftstoffverbrauch und eine bessere Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit bieten. Die bisher zuweilen ausladenden Gesamtabmessungen sollten einem neuen, günstigen Innenraum/Abmessungsverhältnis weichen. Eine neue, jüngere Käuferschicht sollte angesprochen werden. Überlegungen für den Einsatz des Frontantriebs wurden verworfen, da es damals nicht möglich erschien, ohne Trennung von Antrieb und Lenkung bei mittelschweren Fahrzeugen optimale Fahreigenschaften abstimmen zu können.
    Zwar waren im Vorstand Anfang 1978 noch Überlegungen über eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern angestellt worden, aber seit Oktober 1978 war im ganzen Vorstand Konsens über die Notwendigkeit dieser neuen kompakten Baureihe hergestellt. Seit 1979 schließlich gilt auch offiziell der "Kleine" als Eckpfeiler des zukünftigen Pkw-Programms.
    W123: als er kam, begann die Entwicklung des W201.

    Die Raumlenker-Hinterachse
    Im Sommer 1978 - das Grundkonzept der Baureihe 201 stand fest - begann man mit einer umfangreichen Fahrwerks-Grundlagenforschung und -erprobung. Nicht weniger als acht Hinterachs-Grundkonzeptionen in 77 Varianten wurden untersucht, bei dem man sich eines modular aufgebauten karosserielosen Versuchsträgers bedienen konnte.
    Fünf einzeln aufgehängte Stablenker erwiesen sich auch im Hinblick auf Einbauraumbedarf und Gewicht als das Optimum und so konnte die vom Daimler-Marketing propagierte Raumlenker-Hinterachse ihren Siegeszug antreten; sie findet noch heute in jedem Standardkonzept von der C-Klasse bis zum SL ihre weiter verfeinerte Verwendung.
    Bei der Implementierung der typischen Mercedes-Sicherheit konnte auch auf Erfahrungen aus den Experimentier-Sicherheits-Fahrzeugen zurückgegriffen werden.

    Der 190D mit 2.0l Hubraum...
    Zum Zustandekommen des Namens "190" konnte noch nichts näheres in Erfahrung gebracht werden; die seinerzeitige Produktpalette umfasste bekanntlich die Reihe 200D bis 280E sowie 280S bis 500SEL nebst Sonderbaureihen. Obwohl von Anfang an bei der Motorisierung an den Griff ins Motorenregal der Mittelklasse (M102) gedacht war ist nicht auszuschließen dass zur Legitimierung der zu entwickelnden Typenreihe 190 auch Motoren mit 1,9l Hubraum angedacht oder erprobt wurden. Andererseits hatte bereits zu diesem Zeitpunkt die "Fehlbenennung" von Fahrzeugen eine gewisse Tradition: gedacht sei nur an den späten 190D der Heckflossenzeit Anfang der sechziger Jahre mit seinem 2,0l-Aggregat...

    Im Herbst 1981 gingen die ersten von Hand zusammengebauten Prototypen in den getarnten Straßenversuch. Die erste große Blütezeit der Erlkönigjäger begann und schon damals waren nicht-originale Scheinwerfer und Rückleuchten eine der wichtigsten Tarnmaßnahmen. Die -besonders auch amerikanische- Öffentlichkeit nahm sehr interessiert Anteil an der "Geburt" des "Baby-Benz", die mit der Vorstellung bei den Niederlassungen und Vertretungen am 9. Dezember 1982 vollendet war.

    Durch die bereits im Februar 1982 als Vorserie und schließlich im September in Serie begonnene Produktion von zunächst rund 100 Wagen am Tag konnten die sonst bei Mercedes-Neuheiten üblichen Lieferfristen auf ein erträgliches Maß gedrückt werden; gleichzeitig erwiesen sich die früher so renditeträchtigen Vertrags-Spekulationen erstmals als nicht zielführend.

    Die Vorstellung
    Die sehr hohe Erwartungshaltung der Öffentlichkeit - schließlich begab sich der Luxuswagenhersteller in ein für ihn höchst fremdes Marktsegment - wurde zunächst fast enttäuscht: Kritik fand das schmucklose wenngleich moderne Äußere ohne Chromzierrat (man vergleiche die gleichzeitig verkauften Baureihen 123, 126, 107!) mit dem (heute nicht wegzudenkenden) hohen Heckabschluß, das vergleichsweise bescheidene Raumangebot und - die Preise:
    die zunächst ausschließlich lieferbaren Vierzylindermodelle 190 (Vergaser mit 90PS) und 190 E (122PS) standen mit 25.538 bzw. 27.742 DM in der ersten Preisliste. Dabei mussten heute selbstverständlich erscheinende Ausstattungsdetails zusätzlich geordert werden: Außenspiegel rechts (153,-), Drehzahlmesser (226,-), Entstörung (85,-), Fondbeleuchtung (85,-), Handschuhkastenschloß (29,-), Fondkopfstützen (192,-), Servolenkung (819,-), wärmedämmendes Glas (333,-) oder Zentralverriegelung (412,-). Ein Fünfganggetriebe ist erst seit September 1983 erhältlich! Einzig die vom Start weg für alle Modelle zumindest verfügbaren (aufpreisigen) Sonderausstattungen ABS, Fahrerairbag, Klimaanlage, Tempomat, Sitzheizung oder Standheizung verrieten Oberklasseniveau, ebenso die serienmäßigen Scheibenbremsen rundum oder die getrennt regulierbare Heizung.

    Die noch Anfang 1983 zu beobachtende leichte Kaufzurückhaltung erforderte für den erfolgsverwöhnten ältesten Automobilhersteller der Welt erstmals die Notwendigkeit, Autos zu verkaufen statt sie nur zu "verteilen". Durch den sukzessiven Ausbau der Modellpalette (bereits 1983 folgten der 190 Diesel und das Sportmodell 190E 2.3-16) erfreute sich der neue, kompakte Mercedes aber schnell einer großen Beliebtheit, sodaß auch für den "Kleinen" (typabhängig) Lieferfristen von einigen Monaten üblich wurden, zumal Produktionsflexibilität damals nicht oberste Priorität genoß.
    Im ersten vollen Produktionsjahr wurde die Marke 100.000, im November 1985 die halbe und 1988 die ganze Million produzierter 190er erreicht.
    Laufend flossen Verbesserungen in die Serie ein, deren wichtigste kurz skizziert werden sollen:

    Sep 83 verstärkter Heckdeckelgriff; neue Türdichtungen, neue Gurtanlenkung B-Säule; Holz an Schaltkulisse, Ablagen mit Teppich
    Okt 84 Gurtstraffer; Kontrolleuchten für Öl, Kühl- und Waschwasser
    Jan 85 Hubwischer, 15-Zoll-Bereifung, größere Bremsscheiben, beheizte Scheibenwaschdüsen
    Sep 85 Servolenkung für alle serienmäßig; beheizter Außenspiegel; Handschuhkastenschloß
    Apr 87 Schiebe-Hebe-Dach ersetzt elektr. Schiebedach; Radioantenne nun schräg gestellt
    Jun 87 erstmals Sportsitze erhältlich
    Sep 88 Große Modellpflege: neue lackierte Stoßfänger und Seitenplanken, neue Sitze mit Neigungsverstellung, Gurte vorn höhenverstellbar; elektr.beh.Außenspiegel rechts; hämatitfarben eloxierte Fenstereinfassungen; leichte Tieferlegung
    Sep 89 Mittelkonsole in Holz auf Wunsch lieferbar (dabei aber Radio tiefer angeordnet)
    Jan 91 ABS, Holz-Mittelkonsole und lackierte Außenspiegel Serie außer 190D, 190E1.8
    Okt 92 Fahrerairbag, Zentralverriegelung Serie; ABS für 190D, 190E1.8
    Die Typen 190D 2.5 Turbo und 190E 2.6 bekamen von Beginn an die (unlackierten) Stoßfänger der '88-Modellpflege (weniger Auftrieb, größerer Kühlluftdurchlass), wobei die eigentlichen Prallkörper die alte zierliche 40/60-Stufenaufteilung aufwiesen.
    Ab Sep 86 kleineres Lenkrad (400 statt 410mm), ab Sommer 91 im W140-Design.
    So können die Modelle auseinandergehalten werden...
    Auf dem Motoren- und Modellsektor ergaben sich u.a. folgende Veränderungen:
    Dez 82 Verkaufsstart der 2,0l-Vierzylinder 190 (90PS), 190E (122PS)
    Nov 83 Auslieferungsbeginn 190D mit 72PS
    Sep 84 Produktionsbeginn 190E 2.3-16 (Vorstellung IAA'83); 1.Kat-Version 190E (113PS) 2166,- Aufpreis
    Okt 84 190 ohne Drosselung nunmehr mit 105PS; hydraulische Motorlager und Ventilstößel; auch Benziner mit Einrippenriemen
    Mai 85 Auslieferungen 190D 2.5 (5-Zylinder) mit 90PS
    Aug 85 190E mit multifunktionalem Einspritzsystem und Kat (118PS)
    Sep 85 Vorstellung 190E 2.6 (Auslieferung erst Jan 87)
    Dez 85 Verkaufsbeginn 190E 2.3 (Auslieferung erst Sep 86)
    Mitte 86 190 mit Kat lieferbar
    Sep 86 geregelter Kat für alle Benziner serienmäßig
    Sep 87 Verkaufsstart 190D 2.5Turbo Automatik (122PS)
    Sep 88 190E2.5-16 ersetzt 2.3-16; 190D 2.5Turbo Automatik (126PS / Vorwegnahme D'89)
    Feb 89 Diesel'89: Schrägeinspritzung, wesentlich reduzierter Rußausstoß; Leistung und Drehmoment steigen leicht
    Jun 89 Sportline für alle außer 2.5-16 erhältlich
    Sep 89 190D 2.5Turbo mit mech. 5gang-Getriebe
    Apr 90 190E 1.8 (109PS) ersetzt 190: günstiges Einstiegsmodell mit etwas reduzierter Ausstattung
    Okt 90 Oxi-Kat für Saugdiesel (Turbo ab Apr 91) a.W. erhältlich: 190D 2.5 dann mit 90 statt 94PS
    Jan 91 Neuer Doppelauspuff bringt 4 Mehr-PS: Bezeichnung jetzt 190E 2.0 (122PS); 190E 2.3 mit 136PS
    Feb 92 190E 3.2 AMG (234PS) erhältlich; AMG-Optikpaket und Zubehör lieferbar
    Mär 92 Avantgarde-Sondermodelle rosso (1.8), azzurro (2.3), verde (D 2.5)
    Aug 92 190 Sondermodelle Berlin 2000 (1.8, 2.3, 3.2)
    Feb 93 Produktionsende im Hauptwerk Sindelfingen
    Mai 93 Vorstellung des Nachfolgers C-Klasse "Ab 40.825,- DM"
    Jun 93 Letzter Sechzehnventiler verlässt das Werk Bremen
    Aug 93 Allerletzter im Werk Bremen gebauter W201 (Nr. 1.879.629) wird dem MB-Museum übergeben
    Mit über 1,8 Millionen produzierter 190er kann diese Baureihe, die es immer nur als klassische viertürige Stufenhecklimousine gab, als außerordentlich erfolgreich bezeichnet werden; erstmals bei Daimler-Benz war ein Modell gleichzeitig an zwei Standorten (Sindelfingen und seit Nov 83 Bremen [58% aller 190er]) gebaut worden. Immerhin 47% der Produktion konnte im Ausland abgesetzt werden, allein 10% in den USA.
     
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  3. #2 pnh-135, 29.07.2002
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    aha sehr interessant, da standen DInge drin die ich gerade eben fragen wollte.
     
  4. jff2k

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    Sehr gut zusammengefasst!!!

    Die Angaben hast Du aber von baureihe201.de, oder? ;)
     
  5. #4 Andreas Terner, 30.07.2002
    Andreas Terner

    Andreas Terner Guest

    richtig, weil das nochmalige abschreiben aus "mercedes-benz in aller welt" war mir zu anstrengend :D :D :D
     
  6. #5 Cartman, 30.07.2002
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    so ich weiß aber warum der 190er 190er heißt

    der 190er durfte nicht wirklich 201er heißen weil Peugeot geklagt hatte, weil es ihr markenzeichen ist eine null in der mitte einer dreistelligen zahl zu haben

    drumm wurde bei daimler damals der 201er zum 190er
     
  7. #6 Andreas Terner, 30.07.2002
    Andreas Terner

    Andreas Terner Guest

    ich werde das mal an die presseabteilung von dcx weiterleiten (wenn du nix dagegen hast).
    währe ja eine interessantes fakt !! :tup
     
  8. #7 Cartman, 30.07.2002
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    nö kein problem damit
    darum wurde auch der Porsche 901 in 911 umbenannt
     
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  10. jff2k

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    *gg* als ob man nen Porsche oder Mercedes-Benz nicht von einem Peugeot unterscheiden könnte ;) Aber das ist wirklich mal interessant!
     
  11. #9 Cartman, 30.07.2002
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    was weiß ich warum sich da peugeot so pissig hatte aber wenn se meinen

    btw lkw bezeichnungen von daimler benz müssen net geändert werden

    z.b. nen 7,5 tonner mit 60 Ps darf weiterhin 806 heißen
     
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Vorgeschichte zum 190er

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